wußte ichs nicht mit fortzubringen und besorgte, es möchte mir
unterwegens gestohlen oder genommen werden, ließ also dasselbe zu
Hause und versteckte es auf dem obersten Boden hinter die Feuermauer
und trat in dem vierundzwanzigsten Jahre meines Alters meine sehr
gefährliche Reise an. Was ich nun in der Fremde zu Wasser und Lande
überall gesehen, gehört, erfahren und ausgestanden, das wird in den
folgenden Kapiteln mit höchster Verwunderung zu vernehmen sein.
[3] aus »Lüge« und »Legende« gebildet.
[4] will mich aufmachen.
[5] von Zwillich, grobem Zeug.
[6] Tasche.
2. Kapitel.
Der Kuckuck fing gleich denselben Tag das erstemal im Jahre an zu
rufen, als ich in Schelmerode von meiner Frau Mutter Abschied nahm,
ihr um den Hals fiel, sie auf jedweden Backen zu guter Letzt dreimal
herzte und hernach immer zum Tore hinaus wanderte. Wie ich nun vor
das Tor kam, O sapperment! wie kam mir alles so weitläufig in der
Welt vor, da wußte ich nun, der Tebel hol mer, nicht, ob ich gegen
Abend oder gegen der Sonnen Niedergang zu marschieren sollte; hatte
wohl zehnmal den Willen, wieder umzukehren und bei meiner Frau
Mutter zu bleiben, wenn ich solches nicht so lästerlich verschworen
gehabt, nicht eher wieder zu ihr zu kommen, bis daß ich ein brav Kerl
geworden wäre. Doch hätte ich mich endlich auch nicht groß an das
Verschwören gekehrt, weil ich sonst wohl eher was verschworen und es
nicht gehalten hatte, sondern würde unfehlbar wieder zu meiner Frau
Mutter gewandert sein, wann nicht ein Graf auf einem Schellenschlitten
wäre querfeldein nach mir zugefahren kommen und mich gefragt, wie
ich so da in Gedanken stünde. Worauf ich dem Grafen aber zur
Antwort gab, ich wäre willens, die Welt zu besehen, und es käme mir
alles so weitläufig vor, und wüßte nicht, wo ich zugehen sollte. Der
Graf fing hierauf zu mir an und sagte: Monsieur, es siehet ihm was
Rechts aus seinen Augen, und weil er willens ist, die Welt zu besehen,
so setze er sich zu mir auf meinen Schellenschlitten und fahre mit mir,
denn ich fahre deswegen auch in der Welt nur herum, daß ich sehen
will, was hier und da passiert. Sobald der Herr Graf dieses gesagt,
sprang ich mit gleichen Beinen in seinen Schellenschlitten hinein und
steckte die rechte Hand vorne in die Hosen und die linke in den rechten
Schubsack, daß mich nicht frieren sollte, denn der Wind ging sehr kalt
und hatte selbige Nacht ellendicke Eis gefroren; doch war es noch gut,
daß der Wind uns hintennach ging, so kunnte er mich nicht so treffen,
denn der Herr Graf hielt ihn auch etwas auf, der saß hinten auf der
Pritsche und kutschte, damit so fuhren wir immer in die Welt hinein
und gegen Mittag zu. Unterwegens erzählten wir einander unser
Herkommens; der Herr Graf machte nun den Anfang und erzählte
seinen gräflichen Stand und daß er aus einem uralten Geschlechte
herstammte, welches zweiunddreißig Ahnen hätte, und sagte mir auch,
in welchem Dorfe seine Großmutter begraben läge, ich habe es aber
wieder vergessen; hernach so schwatzte er mir auch, wie daß er, als er
noch ein kleiner Junge von sechzehn Jahren gewesen wäre, seine Lust
und Freude an dem Vogelstellen immer gehabt hätte und einstmals auf
einmal zugleich einunddreißig Pumpelmeisen in einem Sprenkel
gefangen, welche er sich in Butter braten lassen und ihm so vortrefflich
bekommen wären. Nachdem er nun seinen Lebenslauf von Anfang bis
zum Ende erzählt hatte, so fing ich hernach von meiner wunderlichen
Geburt an zu schwatzen, wie auch von meinem Blaserohre, mit
welchem ich so gewiß schießen können. O sapperment! wie sperrte der
Herr Graf Maul und Nasen darüber auf, als ich ihm solche Dinge
erzählte, und meinte, daß noch was Rechts auf der Welt aus mir werden
würde.
Nach solcher Erzählung kamen wir an ein Wirtshaus, welches flugs an
der Straße im freien Felde lag, daselbst stiegen wir ab und gingen
hinein, uns ein wenig da auszuwärmen; sobald als wir in die Stube
kamen, ließ sich der Herr Graf ein groß Glas geben, in welches wohl
hierzulande auf achtzehn bis zwanzig Maß gehn, dasselbe ließ er sich
von dem Wirte voll Branntwein schenken und brachte mirs von da auf
Du und Du zu. Nun hätte ich nicht vermeint, daß der Graf das Glas voll
Branntwein alle auf einmal aussaufen würde, allein er soffs, der Tebel
hol mer, auf einen Soff ohne Absetzen und Bartwischen reine aus, daß
sich auch der Wirt grausam darüber verwunderte. Hernach so ließ ers
wieder so voll schenken und sagte zu mir: Nun allons, Herr Bruder
Schelmuffsky, ein Hundsfott, der mirs nicht auch Bescheid tut.
Sapperment! das Ding verdroß mich, daß der Graf mit solchen Worten
flugs um sich schmiß, und fing gleich zu ihm an: Topp, Herr Bruder,
ich wills Bescheid tun. Als ich dieses ihm zur Antwort gab, fing der
Wirt höhnisch

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