auch sehr wohl bekamen.
Da ich nun so ein bißchen besser zu Jahren kam, so schickte mich
meine Frau Mutter in die Schule und vermeinte nun, einen Kerl aus mir
zu machen, der mit der Zeit alle Leute an Gelehrsamkeit übertreffen
würde. Ja es wäre dazumal wohl endlich was aus mir geworden, wenn
ich hätte Lust, was zu lernen, gehabt, denn so klug als ich in die Schule
ging, so klug kam ich auch wieder heraus. Meine größte Lust hatte ich
an dem Blaserohre, welches mir meine Frau Großmutter zum
Jahrmarkte von der Eselswiese mitgebracht hatte. So bald ich denn aus
der Schule kam, so schmiß ich meine Bücherchen unter die Bank und
nahm mein Blaserohr, lief damit auf den obersten Boden und schoß da
entweder die Leute auf der Gasse mit auf die Köpfe oder nach den
Spatzianern, oder knapste den Leuten in der Nachbarschaft die schönen
Spiegelscheiben entzwei, und wenn sie denn so klirrten, kunnte ich
recht herzlich drüber lachen; das trieb ich nun so einen Tag und alle
Tage, ich hatte auch so gewiß mit meinem Blaserohr schießen gelernt,
daß ich einem Sperlinge, wenn er gleich dreihundert Schritt von mir
saß, damit das Lebenslicht ausblasen kunnte. Ich machte das
Rabenzeug so schüchtern, wenn sie nur meinen Namen nennen hörten,
so wußten sie schon, wieviel es geschlagen hatte.
[Illustration]
Als nun meine Frau Mutter sah, daß mir das Studieren ganz nicht zu
Halse wollte und nur das Schulgeld vor die lange Weile hingeben
mußte, nahm sie mich aus der Schule wieder heraus und tat mich zu
einem vornehmen Kaufmann, da sollte ich ein berühmter Handelsmann
werden, ja ich hätte es wohl werden können, wenn ich auch Lust dazu
gehabt hätte; denn anstatt da ich sollte die Nummern an den Waren
merken und wie teuer die Elle müßte mit Profit verkauft werden, so
hatte ich immer andere Schelmstücke in Gedanken, und wenn mich
mein Patron wohin schickte, daß ich geschwinde wiederkommen sollte,
so nahm ich allemal erstlich mein Blaserohr mit, ging eine Gasse auf,
die andere wieder nieder und sah, wo Sperlinge saßen; oder wenn wo
schöne große Scheiben in Fenstern waren und es sah niemand heraus,
so knapste ich nach denselben und lief hernach immer meine Wege
wieder fort; kam ich denn wieder zu meinem Herrn und war etwa ein
paar Stunden über der Zeit außen gewesen, so wußte ich allemal so eine
artige Lügente[3] ihm vorzubringen, daß er mir sein Lebetage nichts
sagte. Zuletzt versah ichs aber dennoch auch bei ihm, daß es nicht viel
fehlte, so hätte er mir mein Blaserohr auf dem Buckel
entzweigeschmissen. Ich aber merkte den Braten und gab mit meinem
Blaserohre Reißaus und soll nun noch wieder zu ihm kommen.
Hernach so schickte er zu meiner Frau Mutter und ließ ihr sagen, wie
daß ich ihm allen Unfug mit meinem Blaserohre bei den Leuten
angerichtet hätte und mich ganz zur Handlung nicht schicken wollte.
Meine Frau Mutter ließ dem Kaufmann aber wieder sagen, es wäre
schon gut, und sie wollte mich nicht wieder zu ihm tun, weil ich indem
schon von ihm weggelaufen und wieder bei ihr wäre, vielleicht kriegte
ich zu sonst was Bessers Lust. Das war nun wieder Wasser auf meine
Mühle, als meine Frau Mutter dem Kaufmann solches zur Antwort
sagen ließ, und hatte ich zuvor die Leute auf der Gassen und die
schönen Spiegelscheiben in den Fenstern nicht geschoren, so foppte ich
sie hernach allererst, wie ich wieder meinen freien Willen hatte.
Endlich, da meine Frau Mutter sah, daß immer Klage über mich kam,
und etlichen Leuten die Fenster mußte wieder machen lassen, fing sie
zu mir an: Lieber Sohn Schelmuffsky, du kömmst nun alle sachte zu
besserem Verstande und wirst auch fein groß dabei: sage nur, was ich
noch mit dir anfangen soll, weil du ganz und gar keine Lust zu nirgends
zu hast und nur einen Tag und alle Tage nichts anders tust, als daß du
mir die Leute in der Nachbarschaft mit deinem Blaserohre zum Feinde
machst und mich in Ungelegenheit bringst. Ich antwortete aber meiner
Frau Mutter hierauf wieder und sagte: Frau Mutter, weiß sie was? Ich
will her sein[4] und fremde Länder und Städte besehen, vielleicht
werde ich durch mein Reisen ein berühmter Kerl, daß hernach, wenn
ich wiederkomme, jedweder den Hut vor mir muß unter den Arm
nehmen, wenn er mit mir reden will. Meine Frau Mutter ließ sich
diesen Vorschlag gefallen und meinte, wenn ichs so weit bringen
könnte, sollte ich mich immer in der Welt umsehen, sie wollte mir
schon ein Stück Geld mit auf den Weg geben, daß ich eine Weile daran
zu zehren hätte. Hierauf war ich her, suchte zusammen, was ich
mitnehmen wollte, wickelte alles zusammen in ein zwilchen[5]
Schnupftuch, steckte es in die Ficke[6] und machte mich reisefertig;
doch hätte ich mein Blaserohr auch gerne mitgenommen, allein so

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