an die lebensfrohe Hellas knüpfen Auf jedem Punkt, den land- und
menschenfern Ins Griechenmeer Kronions Hand geschleudert, An
Asiens reicher, sonnenheller Küste, Allüberall, wo nur ein griech'scher
Mund Die heitre Göttersprache singend spricht, Der Ruf mit Jubel zu
den Sternen hebt? Und bist du wirklich jene hohe Frau, Wie fiel dein
Auge denn auf einen Jüngling, Der dunkel, ohne Namen, ohne Ruf,
Sich höhern Werts nicht rühmt als--diese Leier Die man verehrt weil du
sie hast berührt.
Sappho. Pfui doch, der argen, schlechtgestimmten Leier! Tönt sie,
berührt, der eignen Herrin Lob?
Phaon. O seit ich denke, seit die schwache Hand Der Leier Saiten
selber schwankend prüfte, Stand auch dein hohes Götterbild vor mir!
Wenn ich in der Geschwister frohem Kreise An meiner Eltern niederm
Herde saß Und nun Theano, meine gute Schwester, Die Rolle von dem
schwarzen Simse holte Ein Lied von dir, von Sappho uns zu sagen, Wie
schwiegen da die lauten Jünglinge, Wie rückten da die Mädchen knapp
zusammen Um ja kein Korn des Goldes zu verlieren; Und wenn sie nun
begann, vom schönen Jüngling, Der Liebesgöttin liebeglühnden Sang,
Die Klage einsam hingewachter Nacht, Von Andromedens und von
Atthis' Spielen, Wie lauschte jedes, seinen Atemzug Der lusterfüllt den
Busen höher schwellte Ob allzulauter Störung still verklagend. Dann
legte wohl die sinnige Theano Das Haupt zurück an ihres Stuhles
Lehne Und in der Hütte räumig Dunkel blickend Sprach sie, wie mag
sie aussehn wohl, die Hohe? Mir dünkt ich sehe sie! Bei allen Göttern,
Aus tausend Frauen wollt' ich sie erkennen. Da war der Zunge Fessel
schnell gelöst Und jedes quälte seine Phantasie Mit einem neuen Reize
dich zu schmücken, Der gab dir Pallas' Aug', der Heres Arm, Der
Aphroditens reizdurchwirkten Gürtel; Nur ich stand schweigend auf,
und ging hinaus Ins einsam stille Reich der heiligen Nacht. Dort an den
Pulsen der süß schlummernden Natur, In ihres Zaubers
magisch-mächt'gen Kreisen, Da breitet' ich die Arme nach dir aus; Und
wenn mir dann der Wolken Flockenschnee, Des Zephyrs lauer Hauch,
der Berge Duft, Des bleichen Mondes silberweißes Licht In eins
verschmolzen um die Stirne floß, Dann warst du mein, dann fühlt' ich
deine Nähe Und Sapphos Bild schwamm in den lichten Wolken!
Sappho. Du schmückest mich von deinem eignen Reichtum, Weh,
nähmst du das Geliehne je zurück!
Phaon. Und als der Vater nach Olympia Mich zu des Wagenlaufes
Streit nun sandte, Und auf dem ganzen Wege mir's erscholl, Daß
Sapphos Leier um der Dichtkunst Krone In diesem Kampfe streiten,
siegen werde; Da schwoll das Herz von sehnendem Verlangen Und
meine Renner sanken tot am Wege Eh' ich Olympias Türme noch
erschaut. Ich langte an, der Wagen flücht'ger Lauf, Der Ringer Kunst,
des Diskus frohes Spiel Berührten nicht den ahnungsvollen Sinn; Ich
fragte nicht wer sich den Preis errungen, Hatt' ich den schönsten,
höchsten doch erreicht, Ich sollte sie sehen, sie der Frauen Krone. Jetzt
kam der Tag für des Gesanges Kämpfe. Alkäos sang, Anakreon,
umsonst Sie konnten meiner Sinne Band nicht lösen. Da, horch! Da
tönt Gemurmel durch das Volk, Da teilt die Menge sich, jetzt war's
geschehn.-- Mit einer goldnen Leier in der Hand Trat eine Frau durchs
staunende Gewühl. Das Kleid von weißer Unschuldfarbe floß
Hernieder zu den lichtversagten Knöcheln, Ein Bach der über
Blumenhügel strömt. Der Saum, von grünen Palm- und
Lorbeerzweigen, Sprach, Ruhm und Frieden sinnig zart bezeichnend,
Aus, was der Dichter braucht und was ihn lohnt. Wie rote
Morgenwolken um die Sonne Floß rings ein Purpurmantel um sie her
Und durch der Locken rabenschwarze Nacht Erglänzt, ein Mond, das
helle Diadem, Der Herrschaft weithinleuchtend, hohes Zeichen-- Da
rief's in mir: Die ist es; und du warst's. Eh' die Vermutung ich noch
ausgesprochen Rief tausendstimmig mir des Volkes Jubel Bestätigung
der süßen Ahnung zu. Wie du nun sangst, wie du nun siegtest, wie,
Geschmückt mit der Vollendung hoher Krone, Nun in des Siegs
Begeisterung die Leier Der Hand entfällt, ich durch das Volk mich
stürze Und von dem Blick der Siegerin getroffen Der blöde Jüngling
schamentgeistert steht; Das weißt du, Hohe, besser ja als ich, Der ich,
kaum halb erwacht, noch sinnend forsche, Wieviel davon geschehn,
wieviel ich nur geträumt.
Sappho. Wohl weiß ich's, wie du stumm und schüchtern standst. Das
ganze Leben schien im Auge nur zu wohnen, Das sparsam aufgehoben
von dem Grund Den nicht verlöschten Funken laut genug bezeugte. Ich
hieß dich folgen und du folgtest mir In ungewisses Staunen tief
versenkt.
Phaon. Wer glaubte auch, daß Hellas' erste Frau Auf Hellas' letzten
Jüngling würde schauen!
Sappho. Dem Schicksal tust du Unrecht und dir selbst! Verachte nicht
der Götter goldne Gaben, Die sie bei der Geburt dem Kinde, das Zum
Vollgenuß des Lebens sie bestimmt, Auf Wang' und Stirn, in Herz und
Busen gießen! Gar sichre Stützen sind's, an die das Dasein Die
leichtzerrißnen Fäden knüpfen mag. Des Leibes Schönheit ist ein
schönes Gut Und

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