Britanniens der name Caledonier zu
theil wurde. Als der kaiser Hadrian im jahre 120 persönlich nach
Britannien kam, war es seine hauptsorge, diese Caledonier
zurückzutreiben und zu ihrer abwehr quer über die insel eine 70
englische meilen lange, ununterbrochene, massive mauer vom Solway
bis zum Tyne (von Carlisle bis Newcastle, oder genauer von Bowness
am Solway Firth bis Wall's End am Tyne) aufzuführen, welche auf der
südlichen seite durch einen erdwall und tiefen graben vermehrte
sicherheit erhielt und ausserdem noch von 23 stationsplätzen mit
dazwischen liegenden forts und wachtthürmen geschützt wurde. Unter
dem nachfolger Hadrian's, dem kaiser Antoninus Pius, trieb der
proprätor Lollius Urbicus die Caledonier noch weiter zurück und
führte eine neue befestigungslinie mit forts und thürmen weiter nach
norden quer über das land vom Forth bis zum Clyde, indem er dabei
alte, schon von Agricola angelegte befestigungen benützte. Die
verbindung der forts war durch einen ununterbrochenen erdwall
hergestellt, welcher zu ehren des kaisers den namen Antonin's wall
erhielt. Gegenwärtig heisst dieser wall Graham's Dike, und die mauer
Hadrian's[18] ist unter dem namen Pictenmauer bekannt.
[Footnote 17: Cal -- Gal -- Gæl: keltisch, und don -- down: berg, so
dass Caledonia so viel heisst als keltisches gebirgsland.]
[Footnote 18: Kein theil England's enthält so viele und merkwürdige
römische alterthümer, als derjenige strich, durch welchen die mauer
Hadrian's führte; sie ist daher gegenstand einer besonderen schrift
geworden: The Roman Wall: a historical, topographical, and
descriptive Account of the Barrier of the Lower Isthmus, extending
from the Tyne to the Solway, deduced from numerous personal Surveys.
By the Rev. J. Collingwood Bruce, of Newcastle-upon-Tyne.]
Es wurden jetzt auch in Britannien die vorboten des nahenden verfalles
der römerherrschaft in dem streite um den besitz des kaiserthrones
sichtbar. Auch die britannischen heerführer nahmen mit den in
Britannien befindlichen legionen daran theil. Pertinax war kurze zeit
kaiser, und Albinus wurde erst nach schwerem kampfe im jahre 197
von Severus bei Lyon besiegt und getödtet. Während dieser kämpfe,
durch welche die aufmerksamkeit der römischen soldaten nach süden
gelenkt wurde, erneuerten die Caledonier ihre einfälle. Zu gleicher zeit
tritt an der nördlichen ostküste England's, unmittelbar nördlich von
dem Antonin's walle ein neues streitbares volk gegen die Römer auf,
welches von Dio Cassius Mäaten genannt wird, deren rückzug der
nach Albinus tode von Severus zum proprätor ernannte Virius Lupus
nur mit golde erkaufen konnte. Die plötzliche erscheinung dieser
Mäaten zwischen den jenseits derselben hausenden Caledoniern und
den Römern hat zu der annahme veranlassung gegeben, dass sie ein
über das meer gekommener skandinavischer stamm gewesen seien.
Sicheres ist nicht aufzufinden, indem ihr name bald wieder
verschwindet. Als Virius Lupus nach einigen jahren dem erneuten
andrängen der nördlichen feinde keinen erfolgreichen widerstand
leisten konnte, eilte der kaiser Severus im jahre 208 nebst seinen
beiden söhnen Geta und Caracalla durch Gallien mit einem grossen
heere nach Britannien und drang im folgenden jahre nach Herodian's
bericht unter unsäglichen beschwerden und ununterbrochenen kämpfen
durch gebirge, wälder und sümpfe bis an die nördlichste küste
Britannien's vor, durch welchen zug es zum ersten mal über allen
zweifei erhoben wurde, dass Britannien eine insel sei. Gegen ende des
Jahres 209 kehrte Severus nach Eburacum (York) zurück, wo er am 4.
februar 211 starb.
In den folgenden jahren der schwäche des römischen reiches zeigte
sich bei den befehlshabern in Britannien die neigung, sich unabhängig
zu machen, welches auch dem Carausius unter der regierung des
Diocletian gelang. Unterdessen ging eine grosse veränderung im
norden vor. Man nimmt nach einer späteren, zu Beda's zeit bekannten
Überlieferung an, dass einwanderer aus Irland unter einem führer,
welcher Reuda genannt wird, in das westliche Schottland drangen und
die grundlage desjenigen Volkes wurden, das später dem ganzen
norden von Britannien den namen Schottland gab. Die alten
Caledonier und die jüngeren Mäaten verschwinden von dem
geschichtlichen schauplatz, und an ihre stelle treten die Picten[19] und
Scoten nebst einem neuen stamme, den Attacotten, deren wildheit bald
gefürchtet wurde. In diese zeit fallen auch die ersten streif- und
raubzüge der germanischen und scandinavischen seefahrer nach den
östlichen und südöstlichen küsten Britannien's. Um diesen einfällen zu
begegnen, wurde eine reihe forts an den südöstlichen küsten errichtet
und zu Gessoriacum (Boulogne) in Gallien, ferner in den häfen des
heutigen Kent, Sussex und Hampshire eine bewaffnete flotte
unterhalten. Ein Bataver aus dem stamme der Menapier, Carausius,
schwang sich zum oberbefehlshaber der flotte auf und errang viele
siege über die seeräuber. Durch seine erfolge kühn gemacht, verband
er sich mit den deutschen stämmen auf der Britannien zunächst
liegenden nordküste des festlandes, bemächtigte sich Gessoriacum's,
des schlüsseis zur überfahrt nach Britannien, und machte sich zum
mitkaiser Diocletian's und Maximian's, welche würde und macht er
während eines zeitraumes von sieben jahren 287 bis 293 zu behaupten
verstand, indem er zugleich die seeräuber und die Scoten von den
grenzen zurückhielt. Seine macht endete mit seinem tode, den er von
der hand des Allectus erhielt,

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