Geschichte der Englischen Sprache und Literatur | Page 5

Ottomar Behnsch
Baskische mit seinen mundarten mag ein rest des
alten Aquitanischen sein, von dem schon Cäsar (de bell. Gall. I, 1) sagt,
dass es von dem Gallischen und Keltischen verschieden sei. Diefenbach,
L., Celtica. Zweite abtheilung. S. 5 u. ff.]
Das heutige Englisch hat von jener einst so weitverbreiteten und in
Britannien ausschliesslich gesprochenen sprache ausser einer
beträchtlichen anzahl eigener namen zur bezeichnung von orten,
bergen und flüssen nur sehr wenige wörter (flannel, mattock, plaid,
tartan, gyve, tackle, bran etc.) und die meisten derselben erst in
neuerer zeit angenommen. Schriftliche denkmale der alten keltischen
zeit existiren nicht mehr. Die Druiden, deren vernichtung die Römer
eifrig betrieben, da sie in ihnen die erhalter der keltischen nationalität
sahen und fürchteten, hielten es nach Cäsar's erzählung für unziemlich,
ihre lehren der schrift zu übergeben und überlieferten dieselben, so wie

die volksmythen und volkspoesien nur mündlich (Cæs. de bell. Gall. VI,
14). Die brittischen münzen, deren mehrere erhalten sind, waren
nachahmungen der römischen und enthalten nur römische
schriftzeichen.
+II. Die Römer.[16]+
Das römische Britannien stand bald in eben so lebhaftem verkehr mit
Rom und den provinzen des weltreichs, als Gallien, wozu Britannien
der verwaltung nach lange zeit gerechnet wurde. Die triumphe der
römischen heerführer und imperatoren über Britannien wurden als
siege über die bewohner der enden der erde zu Rom nicht minder durch
glänzende aufzüge als durch lobreden der ersten geister Rom's gefeiert.
Auch die genüsse und herrlichkeiten, welche Britannien bot, wurden
dabei nicht übersehen. Juvenal besingt die brittischen austern aus
Rutupiæ (Richborough):
Rutopinove edita fundo ostrea,
und schildert die wallfische der brittischen gewässer:
Quanto delphinis balæna britannica major.
[Footnote 16: Eine vorzügliche culturgeschichtliche schilderung
Britanniens unter den Römern findet sich in The Celt, the Roman and
the Saxon: a history of the early Inhabitants of Britain, down to the
conversion of the Anglo-Saxons to Christianity. By Thomas Wright. 8.
London 1852. Aus älterer zeit enthalten Horsley's Britannia Romana
und Camden's Britannia interessante mittheilungen. Die römischen
alterthümer Schottlands sind in der Caledonia Romana (Edinburgh
1845, in einem bande) von Robert Stuart gesammelt worden.
Ausserdem sind eine grosse anzahl monographien über die römischen
alterthümer einzelner städte und örter, so wie ganzer districte
England's in neuerer und älterer zeit erschienen, welche zum theil in
dem oben genannten werke von Thomas Wright aufgeführt werden.]
Martial schrieb ein epigramm auf die zierliche gestalt (decus formae)
einer schönen Brittin, welche er Claudia Rufina nennt.

Dafür trug aber auch Rom seine cultur, der Gallien schon in so hohem
masse theilhaftig geworden war, nach Britannien. Martial brüstet sich:
Dicitur et nostros cantare Britannia versus;
und Juvenal feiert die ausbreitung der klassischen gelehrsamkeit und
redekunst von Gallien aus nach Britannien:
Nunc totus Graias nostrasque habet orbis Athenas: Gallia causidicos
docuit facunda Britannos; De conducendo loquitur jam rhetore Thule.
Die römischen legionen und zuströmenden bewohner aus allen
gegenden des römischen weltreiches veränderten auch das äussere
aussehen des landes; überall entstanden aus den stehenden lägern und
in der nähe der römischen forts örter und städte, welche durch ein
umfassendes strassensystem mit einander verbunden waren; tempel
und altäre, villen, säulenhallen, bäder, kostbares mosaik und alle
andern schöpfungen der römischen baukunst fanden sich in Britannien.
Schon Tacitus spricht von London als einem grossen handelsorte, und
Ptolemäus erwähnt eine menge römisch-brittischer städte, darunter
Rutupiæ (Richborough) als hauptlandungspunkt vom festlande aus,
Darvernum oder Durovernum (Canterbury), Venta (Winchester), Aquæ
calidæ (Bath), Ischalis (Ilchester), Durnovaria (Dorchester), Saliva
(Silchester), Corinium (Cirencester), Camulodunum (Colchester),
Verulamium (St. Albans), Lindum (Lincoln), Ratæ (Leicester),
Eburacum (York), Isurium (Aldborough), Caturactonium (Catteric),
Olicana (Ilkley), Epiacum (Lanchester), Vinnovium (Binchester), Deva
(Chester), Viroconium (Wroxeter) u.s.w. Allein im norden zählt
Ptolemäus mehr als zwanzig grössere städte auf.
Dass die Römer Britannien als völlig unterworfen betrachteten, geht
auch daraus hervor, dass sie mehrere legionen als überflüssig allmälig
aus dem lande zogen und nur noch vier, die II., VI., IX. und XX. als
genügende besatzung darin stehen liessen. Von diesen stand die II. zu
Isca (Cærleon) und die XX. zu Deva (Chester), um die bergbewohner
von Wales, Cumberland und Westmoreland im zaume zu halten und das
land vor den raubzügen der irischen seeräuber zu schützen, welche im
Severn und Dee zu landen pflegten. Die VI. legion stand zu Eburacum

(York), um die nördlichen gebirgsbewohner zurückzuscheuchen, wo
sich auch die IX. wahrscheinlich in kleineren grenzforts zerstreut
befand, denn der norden von Britannien bis an den caledonischen wald
war dicht mit forts und militärischen posten besetzt. Im süden befanden
sich dagegen in der ersten zeit der römischen herrschaft nur geringere
mannschaften zerstreut.
Während sich die Römer so in den fruchtbaren niederungen des
südlichen und östlichen England's ausbreiteten und befestigten, wurden
die schwer zugänglichen gebirge im westen und norden die natürlichen
festen der alten aus ihren früheren besitzungen verjagten Kelten,
welche sich zunächst von der Sylva Caledonica[17] im norden unter
dem namen Caledonier den römischen besitzungen so furchtbar und
bekannt machten, dass der gesammten alten keltischen und
unabhängigen gebirgsbevölkerung
Continue reading on your phone by scaning this QR Code

 / 100
Tip: The current page has been bookmarked automatically. If you wish to continue reading later, just open the Dertz Homepage, and click on the 'continue reading' link at the bottom of the page.