Geschichte der Englischen Sprache und Literatur | Page 4

Ottomar Behnsch
es
zum hauptquartier der Römer; die stadt wurde als colonia mit
öffentlichen gebäuden und einem tempel des Claudius geschmückt, das
eroberte land in ihrer nähe aber unter die veteranen der legionen
vertheilt. Nach mannigfachen blutigen kämpfen mit den gegen das
römische joch anstrebenden Britten, in denen einerseits der sitz der
druidischen macht auf der insel Mona (Anglesea) von Suetonius
Paullinus zerstört, und andererseits Camulodunum und der
emporstrebende handelsort Londinium von den eingeborenen unter
ihrer anführerin Boadicea verwüstet und geplündert wurden, gelang es
endlich dem römischen führer Agricola, welcher eine menge castella in
Britannien angelegt und im jahre 81 eine anzahl forts quer über die
insel von der mündung des Clyde bis zum Forth gezogen hatte, ganz
Britannien im jahre 84 unter die herrschaft der Römer zu bringen.
Dieser tapfere general, dessen flotte ganz Britannien umschiffte und die
Orkneys besuchte, machte sogar einen einfall in Irland.[7]
[Footnote 7: Dio Cassius im IX. buche, Sueton und Plutarch in ihren
lebensbeschreibungen, Tacitus in den annalen und besonders in seiner

lebensbeschreibung des Agricola sind die hauptquellen für diesen theil
der geschichte Britanniens.]
Nunmehr hatten die verschiedenen keltischen stämme in Britannien,
denn brittisches volk kann man wohl nicht sagen, ihre unabhängigkeit
zum grössten theil auf immer verloren. Ihre nationalität war damit
gebrochen und wurde noch mehr geschwächt, als die neuen herrscher
ihr provinzielles verwaltungssystem auf die neue eroberung übertrugen,
das land mit legionen und hilfstruppen überzogen und befestigte städte
bauten; aus den wilden, aber freien Britten wurden römische
unterthanen und leibeigene. Zwar zählt noch Ptolemäus in seiner
geographie eine menge keltischer stämme in Britannien zugleich mit
ihren wohnsitzen[8] auf, allein ihre namen verschwinden nach und
nach. Nur diejenigen Kelten, welche in den gebirgen von Wales, oder
von Schottland hausten, behielten noch lange ihre wildheit und zum
theil ihre unabhängigkeit, indem sie sich auf das, wenn auch von den
Römern angegriffene, aber nicht unterworfene Irland und dessen
stammverwandte bewohner stützen konnten.
[Footnote 8: Vergleiche Sharon Turner's Hist. of the A.-S. vol. I. Book I,
chapt. 5, wo 42 keltische stämme nach ihren wohnsitzen zur zeit der
Römer aufgeführt werden.]
Die sprache der alten Britannier zu jener zeit, als die Römer ihre
siegreichen adler von Gallien aus nach Britannien trugen, war ein
zweig des alten Keltischen,[9] welches im ganzen westlichen Europa
gesprochen wurde, gegenwärtig aber nur noch in Wales, in den
hochlanden und auf den inseln von Schottland, in Irland und auf der
insel Man unter dem namen des Welschen,[10] Gælischen,[11]
Ersischen[12] und Mankschen[13] lebt, auf dem festlande aber sich
noch in dürftigen trümmern in der Bretagne[14] und vielleicht am
biskayischen[15] meerbusen erhalten hat.
Keltisch __________|____________________ _______/________ \ / \
Gælisch Gallisch Brittisch _____|________ | / | \ ________|______
Irisch Ersisch Manksisch / \ oder Cornisch Welsch Caldonach
\______________________/ | Bretonnisch

[Footnote 9: Leibnitius, G. G., Collectanea etymologica, illustr.
linguar. veteris Celticæ, Germ., Galicæ aliarumque inservientia. 2.
part. 8. Hannov. 1717.
Bullet, J. B., Mémoires de la langue Celtique (l'hist. de la langue;
descript. étymol. des villes, rivières etc. des Gaules; dictionaire
Celtique). 3 tom. fol. Besançon 1754-60.
Denina, C. J. M., Sur la langue Celtique et celles qu'on prétend en être
sorties. 4. Berol. 1787.
De Bast, M. J., Recherches hist. et littér. sur la langue Celtique.
Gauloise et Tudesque. 2 voll. 4. Gand 1815. 16.
Diefenbach, L., Celtica. I. Sprachl. documente zur geschichte der
Kelten. II. Versuch einer geneal. geschichte der Kelten. 8. Stuttg. 1839.
40.
Maclean, L., History of the Celtic languages. 12. Lond. 1840.
Galli, C., Essai sur le nom et la langue des anciens Celtes. 8. Paris
1844.
Edwards, W. F., Recherches sur les langues Celtiques. 8. Paris 1844.]
[Footnote 10: Walter, An English and Welsh dictionary. 2 vols. 8.
London 1829.
Gambold, W., A Welsh grammar. 12. Carmarthen 1842. (4. ausgabe.)]
[Footnote 11: Macpherson, J., Critical dissertation on the origin,
antiquities, language of the ancient Caledonians. 4. London 1768.
Dictionarium Scoto-Celticum; a dict. of the Gælic lang. publ. under the
direction of the Highland Society of Scotland. 2 vols. 4. Edinb. 1828.
M'Alpine, N., Pronouncing Gælic Dictionary, to which is præfix. a
concise grammar. 8. Edinb. 1845.]

[Footnote 12: Neilson, W., An introduction on the Irish language. 3
vols. 8. Dublin 1808.
O'Reilly, E., Sauas Gasidhilge-Sags-Bhéarla. An Irish-English
dictionary. To which is annexed a compendious Irish grammar. 4.
Dublin 1817. 1822.]
[Footnote 13: Cregeen, A., A dictionary of the Manks language. 8.
Douglas 1835.
Kelly, J., A practical grammar of the ancient Galic or lang, of the isle
of Man, usually called Manks. 4. London 1803. Essex 1806.]
[Footnote 14: De Courson, A., Essai sur l'histoire, la langue et les
institutions de la Bretagne Armoricaine. 8. Paris 1840.
De Rostrenen, Gr., Dictionnaire Français-Celtique ou Français-Breton.
4. Rennes 1738. Rev. et corr. par B. Jollivet. 2 vols. 8. Guingamps
1834.
De Rostrenen, Gr., Grammaire Française--Celtique ou
Française--Bretonne. 8. Rennes 1738. Guingamps 1833.]
[Footnote 15: Das
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