Geschichte der Englischen Sprache und Literatur | Page 3

Ottomar Behnsch
Cäsar's übergang
nach Britannien im jahre 60 v. Chr. lüftete den schleier gänzlich. Seine

berichte (de bello Gall. V, 13) über die britannischen inseln erwähnen
bereits das um die hälfte kleinere Irland unter dem namen Hibernia
und eine zwischen diesem und Britannien (medio cursu) liegende
kleinere insel Mona, so wie mehrere nördlich gelegene kleine inseln.
[Footnote 1: Auch Plinius, Ptolomæus und Stephanus Byzant.
bezeichnen Britannien mit diesem namen.]
[Footnote 2: Beide namen mögen von den phönizischen und
karthagischen kaufleuten herrühren, indem sie offenbar semitischen
ursprungs sind und dieselbe bedeutung haben, wie Bochart (Canaan,
lib. 1. c. 39) zuerst vermuthet hat, indem er Kassiteron, worunter
Plinius zinn versteht, mit dem chaldäischen kastira und kistara und
dem arabischen kasdar, welche worte zinn bedeuten, in verbindung
bringt und das wort Brettanike, wie es griechisch geschrieben wird,
von dem semitischen barat anuk, zinnland, ableitet, wonach die
phönizischen kaufleute den fundort des zinnes in ähnlicher weise
benannt hätten, als die neue zeit von den gewürzinseln, der gold- oder
sklavenküste spricht. Höchst unwahrscheinlich ist es dagegen, dass
Britannien nach dem keltischen wort bryt, bemalt, wegen des
tätowirens der eingeborenen seinen namen empfangen hätte. Die
dichter und chronisten von Wales nennen die keltischen bewohner von
Wales Kymry (Cimbern). Den grössten theil von England nennen sie
Lloegr und dessen bewohner Lloegrwys (Sharon Turner's hist. of the
Angl. Sax. vol. I. Book I. chap. II. III.). Die ähnlichkeit des namens
Brutus und Britannia mag Nennius, aus dem Geoffrey von Monmouth
in späterer zeit geschöpft hat, zu der fabelhaften annahme veranlasst
haben, Britannien sei von »Brutus,« dem enkel des Askanius und
urenkel des Aeneas, benannt und bevölkert worden. Nennius' fabel,
welche angeblich aus römischen quellen geschöpft ist, dürfte eine
ausmalung der angäbe des Ammianus Marcellinus XV, 9 sein. (Am
angeführten orte chap. IV.)]
[Transcriber's Footnote: Numerical equivalents (modern form) for
Herodotus citations: I: Clio; II: Euterpe; III: Thalia; IV: Melpomene;
V: Terpsichore; VI: Erato; VII: Poly(hy)mnia; VIII: Urania; IX:
Calliope.]

Nach Cäsar waren die bewohner des innern von Britannien die
ureinwohner[3] der insel und keltischen stammes, während die küsten
mit belgischen colonien, welche den namen ihrer mutterstämme auf
dem festlande führten,[4] besetzt waren. Die belgischen einwanderer,
wahrscheinlich ebenfalls von keltischer[5] abkunft, besassen gebäude
nach sitte der Gallier, bedienten sich abgewogener stücke erzes als
geld, trieben ackerbau und viehzucht und waren weit gebildeter als die
brittischen ureinwohner, welche von milch und fleisch lebten, sich
tätowirten und in thierhäute kleideten. Von jenen Belgen besassen
wiederum die bewohner von Cantium (Kent) die meiste bildung.[6]
Diodorus Siculus (V, 22) berichtet, dass auch die bewohner des
belerischen Vorgebirges (The Land's End, Cornwall) wegen des
grossen, durch den zinnhandel entstandenen Verkehrs mit fremden
feinere sitten hatten.
[Footnote 3: Sharon Turner in seiner History of the Anglo-Saxons (Vol.
I. Book I. chapt. 2) hat über die ältesten bewohner Britanniens alles
zusammen getragen, was geschichte, sage und fabel uns überliefert
haben.]
[Footnote 4: Cæsar de bell. Gall. V, 12: »qui omnes fere iis nominibus
civitatum adpellantur, quibus orti ex civitatibus eo pervenerunt et bello
illato ibi remanserunt atque agros colere coeperunt.«]
[Footnote 5: Die in Gallien wohnenden Belgen, so wie die Aquitanier
waren nach Cæs. de bell. Gall. I, 1 von den eigentlichen Galliern, oder
Kelten lingua, institutis, legibus verschieden. Wenn Cæsar de bell. Gall.
II, 4 von den zunächst den Galliern wohnenden Belgen (Remi, um das
heutige Rheims) erfuhr, dass plerosque Belgas ortos a Germanis, und
dass sie Rhenum transductos propter loci fertilitatem ibi consedisse,
Gallosqne qui ea loca incolerent, expulisse, so scheint dieses darauf
hinzudeuten, dass die ursprünglichen Belgen (Gallier, Kelten.--Bel im
keltischen ein morast) sich nach dem gegenüberliegenden Britannien
geflüchtet und dort neue niederlassungen gegründet hatten. Will man
dieses nicht zugeben, so würde man zu der annahme gedrängt werden,
dass die bevölkerung der brittischen südküste, besonders aber von Kent,
schon lange vor Cäsar's zeit eine deutsche gewesen sei.]

[Footnote 6: Cæsar de bell. Gall. V, 14: »Ex his omnibus longe sunt
humanissimi, qui Cantium incolunt, quæ regio est maritima omnis,
neque multum a Gallica differunt consuetudine.«]
Die von Cäsar besiegten Britten bemühten sich bald um die
freundschaft ihrer sieger und unterhielten einen lebhaften verkehr mit
Rom unter Augustus und Tiberius. Während der regierung des letzteren
hatte in Britannien Cunobelinus die grösste gewalt, welcher unter dem
namen Cymbeline gegenstand der muse Shakespeare's geworden ist.
Nach Cunobelin's tode entstanden innere unruhen in Britannien,
welche den Römern eine erwünschte gelegenheit gaben, das land zur
provinz zu machen. Der kaiser Claudius sandte im jahre 43 n. Chr.
zuerst den Aulus Plautius nach Britannien, worauf er sich selbst
dorthin begab, die söhne des Cunobelinus besiegte, deren hauptstadt
Camulodunum (Colchester) in Essex einnahm und die herrschaft der
Römer im südosten von England befestigte. Vespasian fügte den
südwesten der römischen provinz zu, welche der Proprætor Ostorius
Scapula mit einer reihe von befestigten lägern oder forts vom Avon zum
Severn beschützte. Derselbe befestigte Camulodunum und machte
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