Des Meeres Und Der Liebe Wellen | Page 3

Franz Grillparzer
Getrennt von ihnen, w?r' ich tot wie sie.
Priester. Nur hüte dich, da? so beschr?nktes Streben Ein Billiger nicht m?ge selbstisch nennen! Es h?lt der Mensch mit Recht von seinem Wesen Jegliche St?rung fern; allein sein Leben, Ablehnend alles andre, nur auf sich, Des eignen Sinns Bewahrung zu beschr?nken, Scheint widrig, unerlaubt, ja ungeheuer, Und doch auch wieder eng und schwach und klein. Du wei?t, es war seit undenkbaren Zeiten Begnadet von den G?ttern unser Stamm Mit Priesterehren, Zeichen und Orakeln, Zu sprechen liebten sie durch unsern Mund: Lockt's dich nun nicht zurück es zu gewinnen Das sch?ne Vorrecht, dir zum h?chsten Ruhm Und allem Volk zu segensreichem Frommen? Ich riet dir oft, in still verborgner Nacht Zu nahen unsrer G?ttin Heiligtum Und dort zu lauschen auf die leisen Stimmen, Mit denen wohl das überird'sche spricht.
Hero. Verschiednes geben G?tter an Verschiedne; Mich haben sie zur Sehrin nicht bestimmt. Auch ist die Nacht, zu ruhn; der Tag, zu wirken, Ich kann mich freuen nur am Strahl des Lichts.
Priester. Vor allem sollte heut--
Hero. Ich war ja dort, Noch eh' die Sonne kam, in unserm Tempel Und setzte mich bei meiner G?ttin Thron Und sann. Doch keine Stimme kam von oben. Da griff ich zu den Blumen, die du siehst, Und wand ihr Kr?nze meiner hohen Herrin, Erst ihr, dann jenen beiden Himmlischen, Und war vergnügt.
Priester. Und dachtest?
Hero. An mein Werk.
Priester. An andres nicht?
Hero. Was sonst?
Priester. An deine Eltern.
Hero. Was nützt es auch? sie denken nicht an mich.
Priester. Sie denken dein und sehnen sich nach dir.
Hero. Ich wei? das anders, doch du glaubst es nicht. War ihnen ich doch immer eine Last, Und fort und fort ging Sturm in ihrem Hause. Mein Vater wollte was kein andres wollte, Und dr?ngte mich, und zürnte ohne Grund. Die Mutter duldete und schwieg. Mein Bruder--Von den Menschen all, die leben, Bin ich nur einem gram, es ist mein Bruder. Als ?lterer, und weil ich nur ein Weib, Ersah er mich zum Spielwerk seiner Launen. Doch hielt ich gut, und grollte still und tief.
Priester. So zürnst du deinen Eltern?
Hero. Zürnen? Oh! Verga? ich sie, geschah's um sie zu lieben. Auch ist mein Wesen umgekehrt und eben, Seit mich die G?ttin nahm in ihren Schutz.
Priester. Wenn sie nun k?men?
Hero. Ach, sie werden's nicht.
Priester. Dich heimzuholen.
Hero. Mich? Von hier? Vergebens!
Priester. Die Mutter mit dem Br?ut'gam an der Hand.
Hero (zum Gehen gewendet). Du scherzest, Herr, und ich, ich scherzte nicht.
Priester. Bleib nur! Auch ist es Scherz. Doch deine Eltern Sind hier.
Hero. Nein! Hier?
Priester. Seit gestern abends.
Hero. Oh! Und du verhehltest mir's?
Priester. Sie wollten's selbst, Die Weihe nicht zu st?ren dieser Nacht, Die dir ein Morgen ist für viele Tage. Doch bist du stark, und m?gen sie denn nahn. Sieh dort den Kommenden. Er wandelt, steht, Holt tiefer Atem, n?hert sich.
Hero. Mein Vater?
Priester. Er selber, ja.
Hero. Und ist der Mann so alt?
Priester. Die Frau an seiner Seite--
Hero. Mutter! Mutter!
Priester. Erbleichst du? Eilst den Lieben nicht entgegen In froher Hast?
Hero. O la? mich sie betrachten! Hab ich sie doch so lange nicht gesehn!
(Heros Eltern kommen.)
Vater. Mein Kind! Hero, mein Kind!
Hero (auf ihre Mutter zueilend). O meine Mutter!
Vater. Sieh nur, wir kommen her, den weiten Weg-- Mein Atem wird schon kurz!--So fern vom Hause, Als Zeugen deines g?tternahen Glücks. Zu schauen, wie du in der Ahnen Spur Antrittst das Recht, um das sie uns beneiden, Die andern alle rings umher im Land; Wie um das Amt, mit dem seit manchem Jahr Bekleidet das Vertraun mich unsrer Stadt, Und das--Die b?se Brust!--Was wollt' ich sagen? Nun ebendeshalb kamen wir hierher. Ei, guten Morgen, Bruder!
Hero. Meine Mutter!
Vater. Sie auch! Auch sie! Ob kr?nkelnd schon und schwach, Es duldete sie nicht im leeren Hause. Teilnehmen wollte sie an deinem Glück. Der Wagen fa?t wohl zwei, so kam sie mit. Erfreuten Sinns. Und wer, wenn noch so stumpf, Erfreute sich an seinem Kinde nicht, Wenn es einhergeht auf der Hoheit Spuren? Wer horchte da auf kleinlich dunkle Zweifel, Auf, was wei? ich? Nu, wie gesagt, erfreut.
Hero. Allein sie spricht nicht.
Vater. Nicht? Frag sie: warum? Sie spricht wohl sonst, wenn's auch nicht an der Zeit, Im Haus, den langen Tag. Frag sie: warum? Und wieder ist's auch besser, spricht sie nicht. Wer F?rderliches nicht vermag zu sagen, Tut klüger schweigt er v?llig. Bruder, nicht?
Hero. O guter Ohm, hei? deinen Bruder schweigen, Da? meine Mutter rede.
Priester. Bruder, la? sie!
Vater. So sprich; allein--
Hero. Nicht so! Nach ihrem Herzen. Wie's ihr gef?llt.
Mutter
(halblaut). Mein gutes Kind!
Hero. H?rst du? Sie sprach. O sü?er, sü?er Klang, So lange nicht geh?rt. O meine Mutter!
Priester (in den Hintergrund tretend, zu einem Diener). Komm hier!
Vater. Nun weint sie gar. Da? doch!--Was schaffst du, Bruder?
(Er geht nach rückw?rts, die Hand dem gleichfalls dort stehenden Tempelhüter auf die Schulter legend.)
Ah, du mein Ehrenmann?--Was schafft ihr da?
Priester. Ein Ringeltauber flog in diesen Busch, Wohl gar zu Nest. Das darf nicht sein.
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