Den Braten nur
vom Hirschkalb, gestern noch, Zurück mußt ich ihn schicken, ihn
verkaufen, Ein Stückchen Fleisch, wie keins Ihr je gesehn.
Gregor. Er war zu kostbar, Freund, für mich.
Leon. Zu kostbar? Für so 'nen Herrn? Ei seht! Warum nicht gar? Dann
hätt' er Euch so viel als nichts gekostet; Ja, wirklich nichts. Wollt Ihr
ihn heute, Herr? Er ist noch da und kostet nichts; denn seht 's ist so--'s
ist ein Geschenk von frommen Leuten. Wahrhaftig ein Geschenk.
Gregor. Lügst du?
Leon. Ei was!
Gregor. Weh dem, der lügt!
Leon. Nu, nu!
Gregor. Verwegener!
Leon. Hab ich gelogen, war's zu gutem Zweck.
Gregor. Was weißt du schwacher Wurm von Zweck und Enden? Der
oben wird's zu seinem Ziele wenden. Du sollst die Wahrheit reden,
frecher Bursch!
Leon. Nun also: ich hätt's, Herr, bezahlt für Euch. Wozu so viel
Geschrei? Ich tu's nicht wieder. Hätt' ich mein Tag geglaubt, daß so
was Sünde!
Gregor. Geh jetzt!
Leon. So lebt denn wohl! (Er geht, kehrt aber gleich wieder um.) Doch
noch ein Wort! Zürnt nicht, ich kann wahrhaftiglich nicht anders. So 'n
Herr, so brav, daß selbst die kleinste Lüge, Ein Notbehelf ihn
aufbringt--Zürnet nicht! Ich rede ja den Lügen nicht das Wort, Ich
meine nur--Daß so ein wackrer Herr-- Es muß heraus! daß so ein
Herr--pfui geizig! Was hat denn Geld so Schön's, daß Ihr's so liebt?
Gregor. Wie kommst du darauf?
Leon Würd'ger Herr, mit Gunst! Ich sah Euch einen Sack mit Pfennig'
küssen, Der oben steht im Winkel Eurer Truhe, Und hier spart Ihr Euch
ab, um dort zu sammeln? Nennt Ihr das recht? Seht Ihr, so sind wir
wett.
Gregor. Das also war's?
Leon. Ja das. Und nicht bloß ich, Auch andre Leute nehmen das Euch
übel, Und seht, das kränkt mich, Euern treuen Diener.
Gregor. Da, seh ich, wird Rechtfertigung zur Pflicht. Ein Seelenhirt soll
gutes Beispiel geben, Und nimmer komme Ärgernis durch mich. Setz
dich und höre, wie ich mich verteid'ge.
Leon. Je Herr!
Gregor. Ich sage: setze dich!
Leon. Nun, hier denn. (Er setzt sich auf die Erde vor dem Bischof
nieder.)
Gregor. Dich hat geärgert, daß ich Spargut häufe, Das Geld geküßt, das
ich mir abgedarbt. Hör zu! Vielleicht, daß du mich dann entschuldigst.
Als man, es ist jetzt übers Jahr, den Frieden, Den langersehnten, schloß
mit den Barbaren Jenseits des Rheins, da gab und nahm man Geisel,
Sich wechselseits mißtrauend, und mit Recht. Mein Neffe, meiner
einzigen Schwester Sohn, Mein Atalus, war in der Armen Zahl, Die,
aus dem Kreis der Ihren losgerissen, Verbürgen sollten den erlognen
Frieden. Kaum war er angelangt bei seinen Hütern Im Rheingau, über
Trier weit hinaus, Wo noch die Roheit, die hier Schein umkleidet, In
erster Blöße Mensch und Tier vermengt, Kaum war er dort, so brach
der Krieg von neuem, Durch Treubruch aufgestachelt, wieder los, Und
beide Teile rächen an den Geiseln, Den schuldlos Armen, ihrer Gegner
Schuld. So liegt mein Atalus nun hart gefangen, Muß Sklavendienst
verrichten seinem Herrn.
Leon. Ach je, daß Gott!
Gregor. Ich hab um Lösung mich verwendet. Doch fordern seine Hüter
hundert Pfund An guter Münze fränkischen Geprägs. Und so viel hab
ich nicht.
Leon. Ihr scherzt doch nur, Denn dreimal hundert Pfund, und wohl
noch drüber, Zinst ihrem Vorstand Langres' Kirchgemeine.
Gregor. Das ist das Gut der Armen und nicht meins. Dem Bischof gab
man, daß er geben könne, Des Kirchenguts Verwalter, nicht sein Herr.
Doch Kleidung, Nahrung und des Leibes Notdurft, Das mag der
Bischof fordern, wie ein andrer, Und was er dran erspart, ist sein
vielleicht. Vielleicht; vielleicht auch nicht. Ich hab's gewagt zu deuten.
Sooft ich nun ein armes Silberstück Von meinem Teil erspart, leg ich's
beiseite, Wie du gesehn, und mag's auch manchmal küssen, Wie du mir
vorwirfst; denn es ist das Lösgeld Für meinen Atalus, für meinen Sohn.
Leon (aufspringend). Und ist schon viel im Sack?
Gregor. Schon bei zehn Pfund.
Leon. Und hundert soll er gelten? Herr, mit Gunst! Da mögt Ihr lange
sparen, bis es reicht. Indes quält man den armen Herrn zu Tod.
Gregor. Ich fürchte, du hast recht.
Leon. Je, Herr, das geht nicht. Das muß man anders packen, lieber Herr.
Hätt' ich zehn Bursche nur gleich mir, beim Teufel!-- Bei Gott! Herr,
wollt' ich sagen--ich befreit' ihn. Und so auch, ich allein. Wär' ich nur
dort, Wo er in Haft liegt!--Herr, was gebt Ihr mir?-- Das ist 'ne
Redensart, ich fordre keinen Lohn.-- Was gebt Ihr mir, wenn ich ihn
Euch befreie? Wär' ich nur dort, ich lög' ihn schon heraus.
Gregor. Weh dem, der lügt!
Leon. Ja so? Nu, Herr, mit Gunst! Um Gotteswillen gibt man ihn nicht
frei. Da bleibt nichts übrig, als: wir reden Wahrheit, Und er bleibt, wo
er ist. Verzeiht! und Gott befohlen! Ich hab's nicht schlimm gemeint.
(Er geht.)
Gregor. Du Vater aller, In deine Hand

Continue reading on your phone by scaning this QR Code
Tip: The current page has been bookmarked automatically. If you wish to continue reading later, just open the
Dertz Homepage, and click on the 'continue reading' link at the bottom of the page.