Versuch einer Kritik aller Offenbarung | Page 3

Johann Gottlieb Fichte
priori gegebnen Formen der Anschauung, und der Begriffe m��ssen, insofern sie den Stoff einer Vorstellung ausmachen sollen, der Empfindung, in diesem Falle der innern, gegeben werden; -- folglich steht jedes Object des Begehrungsverm?gens, dem eine Vorstellung entspricht, deren Stoff nicht durch absolute Spontaneit?t hervorgebracht ist, unter den Bedingungen der Sinnlichkeit, und ist empirisch. In dieser R��cksicht also ist das Begehrungsverm?gen gar keiner Bestimmung a priori f?hig; was Object desselben werden soll, mu? empfunden seyn, und sich empfinden lassen, und jedem Wollen mu? die Vorstellung der Materie des Wollens (des Stoffs der hervorzubringenden Vorstellung) vorhergegangen seyn.
Nun aber ist mit dem blo?en Verm?gen, sich durch die Vorstellung des Stoffs einer Vorstellung zur Hervorbringung dieser Vorstellung selbst -- zu bestimmen, noch gar nicht die Bestimmung gesetzt, so wie mit dem M?glichen noch nicht das Wirkliche gesetzt ist. Die Vorstellung nemlich soll nicht bestimmen, in welchem Falle sich das Subject blos leidend verhielte, -- bestimmt w��rde, nicht aber sich bestimmte -- sondern wir sollen uns durch die Vorstellung bestimmen, welches ?durch? sogleich v?llig klar seyn wird. Es mu? nemlich ein Medium seyn, welches von der einen Seite durch die Vorstellung, gegen welche das Subject sich blos leidend verh?lt, von der ?ndern durch Spontaneit?t, deren Bewu?tseyn der ausschlie?ende Charakter alles Wollens ist, bestimmbar sey; und dieses Medium nennen wir den Trieb.
Was von der einen Seite das Gem��th in der Sinnenempfindung als blos leidend afficirt, ist der Stoff oder die Materie derselben; nicht ihre Form, welche ihr vom Gem��the durch seine Selbstth?tigkeit gegeben wird[2]. Der Trieb ist also, insofern er auf eine Sinnenempfindung geht, nur durch das Materielle derselben, durch das in dem Afficirtwerden unmittelbar empfundne, bestimmbar. -- Was in der Materie der Sinnenempfindung von der Art ist, da? es den Trieb bestimmt, nennen wir angenehm, und den Trieb, insofern er dadurch bestimmt wird, den sinnlichen Trieb: welche Erkl?rungen wir vor der Hand f��r nichts weiter, als f��r Worterkl?rungen geben.
Nun theilt die Sinnempfindung ��berhaupt sich in die des ?u?ern, und die des innern Sinnes; davon der erstere die Ver?nderungen der Erscheinungen im R?ume mittelbar, der zweite die Modificationen unsers Gem��ths, insofern es Erscheinung ist, in der Zeit unmittelbar anschaut; und der Trieb kann, insofern er auf Empfindungen der erstem Art geht, der grobsinnliche, und insofern er durch Empfindungen der zweiten Art bestimmt wird, der feinsinnliche genannt werden: aber in beiden F?llen bezieht er sich doch blos auf das angenehme, weil, und inwiefern es angenehm ist; ein angemaa?ter Vorzug des letztern k?nnte sich doch auf nichts weiter gr��nden, als da? seine Objecte mehr Lust, nicht aber eine der Art nach verschiedene Lust gew?hrten; jemand, der sich vorzugsweise durch ihn bestimmen lie?e, k?nnte h?chstens etwa das von sich r��hmen, da? er sich besser auf das Vergn��gen verstehe, und k?nnte auch sogar das dem nicht beweisen, der ihn versicherte: er mache aus seinen feinern Vergn��gungen einmal nichts, er lobe sich seine gr?bern; -- da das auf den Sinnengeschmack ankommt, ��ber den sich nicht streiten l??t; und da alle angenehme Affectionen des innern Sinnes sich doch zuletzt auf angenehme ?u?ere Sensationen d��rften zur��ckf��hren lassen.
Soll von der andern Seite dieser Trieb durch Spontaneit?t bestimmbar seyn; so geschieht diese Bestimmung entweder nach gegebnen Gesetzen[TN1], die durch die Spontaneit?t auf ihn blos angewendet werden, mithin nicht unmittelbar durch Spontaneit?t, oder sie geschieht ohne alle Gesetze, mithin unmittelbar durch absolute Spontaneit?t.
F��r den erstern Fall ist dasjenige Verm?gen in uns, das gegebne Gesetze auf gegebnen Stoff anwendet, die Urtheilskraft: folglich m��?te die Urtheilskraft es seyn, die den sinnlichen Trieb den Gesetzen des Verstandes gem?? bestimmte. -- Dies kann sie nun nicht so thun, wie die Empfindung es thut, da? sie ihm Stoff gebe, denn die Urtheilskraft giebt ��berhaupt nicht, sondern sie ordnet nur das gegebne Mannigfaltige unter die synthetische Einheit.
Zwar geben alle obern Gem��thsverm?gen durch ihre Gesch?fte reichlichen Stoff f��r den sinnlichen Trieb, aber sie geben ihn nicht dem Triebe; ihm giebt sie die Empfindung. Die Th?tigkeit des Verstandes bei'm Denken, die hohen Aussichten, die uns die Vernunft er?fnet, gegenseitige Mittheilung der Gedanken unter vern��nftigen Wesen u. dergl. sind allerdings ergiebige Quellen des Vergn��gens; aber wir sch?pfen aus diesen Quellen gerade so, wie wir uns vom K��zzel des Gaumens afficiren lassen -- durch die Empfindung.
Ferner kann das Mannigfaltige, welches sie _f��r die Bestimmung des sinnlichen Triebes ordnet, nicht das Einer_ gegebnen Anschauung an sich seyn, wie sie es f��r den Verstand, um es zum Behuf einer theoretischen Erkenntni? auf Begriffe zu bringen, thun mu?; also keine Bestimmung des Stoffs durch Form, weil der sinnliche Trieb blos durch den Stoff, und gar nicht durch Begriffe bestimmt wird; -- eine Anmerkung, die f��r die Theorie des Begehrungsverm?gens sehr wichtig ist, da man durch Vernachl?ssigung derselben von ihr aus in das Gebiet der ?sthetischen Urtheilskraft irre geleitet wird: -- sondern mannigfaltige angenehme Empfindungen. Die Urtheilskraft steht w?hrend dieses Gesch?fts ganz und lediglich im Dienste der Sinnlichkeit; diese liefert
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