Gespenster | Page 6

Henrik Ibsen
Sie, hier ist es eine ganz andere Sache. Das Asyl soll doch gleichsam einer h?heren Lebensaufgabe geweiht sein.
=Frau Alving.= Ja, aber deshalb -- --
=Pastor Manders.= F��r meine eigene Person w��rde ich nat��rlich nicht das Geringste darin finden, wenn wir uns gegen alle M?glichkeiten sichern --
=Frau Alving.= Nun, das sollte ich auch denken.
=Pastor Manders.= -- aber wie verh?lt es sich mit der Stimmung des Volkes hier in der Gegend? Diese m��ssen Sie ja besser kennen als ich.
=Frau Alving.= Hm -- die Stimmung --
=Pastor Manders.= Giebt es hier eine betr?chtliche Anzahl von Meinungsberechtigten -- von w?i?r?k?l?i?c?h Meinungsberechtigten, die Ansto? daran nehmen k?nnten?
=Frau Alving.= Ja, was verstehen Sie denn eigentlich unter wirklich Meinungsberechtigten?
=Pastor Manders.= Nun, ich denke in erster Reihe an M?nner, die so weit in unabh?ngiger und einflu?reicher Stellung sind, da? man nicht gut unterlassen kann, ihrer Meinung ein gewisses Gewicht beizulegen.
=Frau Alving.= Deren giebt es hier Mehrere, die sich vielleicht daran sto?en k?nnten, wenn -- --
=Pastor Manders.= Nun, sehen Sie nur! In der Stadt haben wir eine ganze Menge von dieser Sorte. Denken Sie nur an all die Anh?nger meines Amtsbruders! Man k?nnte wirklich leicht dahin kommen es so aufzufassen, als wenn weder Sie, verehrte Frau, noch ich das rechte Vertrauen auf eine Vorsehung h?tten.
=Frau Alving.= Aber was Sie anbetrifft, lieber Herr Pastor, so wissen Sie doch f��r alle F?lle selbst, da? -- --
=Pastor Manders.= Ja, ich wei?, ich wei?; -- ich habe meine gute Ueberzeugung, das ist wahr. Aber trotzdem w��rden wir eine falsche und unvortheilhafte Auslegung nicht hindern k?nnen. Und diese k?nnte wieder sehr leicht einen hemmenden Einflu? auf die Th?tigkeit des Asyls ��ben.
=Frau Alving.= Nun, wenn d?a?s der Fall w?re, so -- --
=Pastor Manders.= Und ich kann mich auch nicht g?nzlich der unangenehmen, -- ja, ich kann sogar sagen peinlichen Stellung verschlie?en, in welche ich m?glicherweise kommen k?nnte. In den leitenden Kreisen der Stadt besch?ftigt man sich viel mit dieser Asyl-Angelegenheit. Das Asyl ist ja auch theilweise zum Nutzen der Stadt errichtet, und hoffentlich wird es in nicht unbetr?chtlichem Ma?e dazu dienen, unsere kommunalen Armen-Lasten zu erleichtern. Da ich nun aber Ihr Rathgeber gewesen bin und den gesch?ftlichen Theil der Sache gef��hrt habe, so mu? ich bef��rchten, da? die Eifers��chtigen und Neider sich zuerst gegen mich wenden w��rden.
=Frau Alving.= Ja, d?e?m sollen Sie sich nicht aussetzen.
=Pastor Manders.= Gar nicht zu reden von den Angriffen, welche gewisse Bl?tter und Zeitschriften unzweifelhaft gegen mich richten w��rden --
=Frau Alving.= Genug, lieber Pastor Manders; diese R��cksichten sind entscheidend.
=Pastor Manders.= Sie wollen also nicht, da? wir versichern?
=Frau Alving.= Nein, lassen wir es.
=Pastor Manders= (lehnt sich im Stuhl zur��ck). Aber w?e?n?n nun doch einmal das Ungl��ck hereinbr?che? Man kann ja niemals wissen -- --. W��rden Sie dann den Schaden wieder gut machen k?nnen?
=Frau Alving.= Nein. Das sage ich Ihnen grade heraus. Das k?nnte ich nicht.
=Pastor Manders.= Ja, aber wissen Sie, Frau Alving, -- dann ist es eigentlich eine bedenkliche Verantwortung, die wir auf uns laden.
=Frau Alving.= Aber meinen Sie denn, da? wir anders k???n?n?e?n?
=Pastor Manders.= Nein, das ist grade die Sache; wir k???n?n?e?n eigentlich nicht anders. Wir d��rfen uns doch nicht einer schiefen Beurtheilung aussetzen; und wir d��rfen auch durchaus in der Gemeinde kein Aergernis geben.
=Frau Alving.= Sie, als Priester, gewi? nicht.
=Pastor Manders.= Und mich d��nkt doch auch wirklich, wir d��rfen darauf bauen, da? das Gl��ck einer solchen Anstalt hold ist, -- ja, da? sie unter einem besondern Schutz und Schirm steht.
=Frau Alving.= Hoffen wir es, Pastor Manders.
=Pastor Manders.= Wollen wir die Sache also auf sich beruhen lassen?
=Frau Alving.= Ja, gewi?.
=Pastor Manders.= Gut. Wie Sie wollen. (Notirt.) Also -- n?i?c?h?t versichern.
=Frau Alving.= Es ist ��brigens seltsam, da? Sie grade heute ��ber diese Angelegenheit sprachen -- --
=Pastor Manders.= Ich beabsichtigte schon oft, Sie dar��ber zu befragen --
=Frau Alving.= -- denn gestern h?tten wir dr��ben beinahe eine Feuersbrunst gehabt.
=Pastor Manders.= Ist das m?glich!
=Frau Alving.= Es hatte ��brigens nichts auf sich. Einige Hobelsp?ne in der Tischlerwerkst?tte waren in Brand gerathen.
=Pastor Manders.= Dort, wo Engstrand arbeitet?
=Frau Alving.= Ja. Die Leute sagen, da? er oft so unvorsichtig mit den Z��ndh?lzern umgeht.
=Pastor Manders.= Der Mann hat so viele Dinge in seinem Kopf, -- -- so viele Anfechtungen. Gott sei Dank, wie ich h?re, beflei?igt er sich jetzt indessen, ein tadelloses Leben zu f��hren.
=Frau Alving.= So? Wer sagt das?
=Pastor Manders.= Er selbst hat mich das versichert. Und ein geschickter Arbeiter ist er ja auch.
=Frau Alving.= O ja, so lange er n��chtern ist --
=Pastor Manders.= Ja, diese ungl��ckselige Schw?che! Aber er sagt, da? er zuweilen seines kranken Beines wegen trinken m?u??. Als er das letzte Mal bei mir in der Stadt war, hat er mich wirklich tief ger��hrt. Er kam zu mir, um mir f��r die Arbeit zu danken, die ich ihm hier verschafft hatte, weil es ihm nun doch m?glich gemacht war, mit Regine zusammen zu sein.
=Frau Alving.= Er sieht sie aber doch nur sehr selten.
=Pastor Manders.= Nein, er sieht sie
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